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07.11.2011

Verdingkinder reden


In einer aktuellen Ausstellung wird ein dunkles Kapitel der neueren Schweizer Geschichte aufgegriffen. Das Thema der Fremdplatzierungen soll einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Dabei kommen ehemalige Verding- und Heimkinder selber zu Wort. In ihrer Kindheit und Jugend waren die Betroffenen oft Willkür und Gewalt ausgesetzt.
Die Wanderausstellung VERDINGKINDER REDEN – ENFANCES VOLÉES ist in Zürich vom 8. November 2011 bis 1. April 2012 im Schulhaus Kern zu sehen.


Endlich hinhören

Was geht in einem Kind vor, das von seinen Eltern getrennt wird und in einem fremden Umfeld aufwächst? Wie bewältigt es das Fehlen seiner Bezugspersonen, den Mangel an Geborgenheit, die Ausgrenzung? Wie wird ein Kind dadurch geprägt? Und wie geht es damit in seinem späteren Leben um?
Die Ausstellung ENFANCES VOLÉES – VERDINGKINDER REDEN will ein Kapitel der Schweizer Geschichte vor dem Vergessen bewahren und ehemalige Verding- und Heimkinder in persönlichen Berichten zu Wort kommen lassen. Die Ausstellung möchte Brücken schlagen von der Geschichte zur Zukunft der ausserfamiliären Erziehung. Sie soll deshalb auch als Plattform für Fragen und Diskussionen über die heutige Praxis dienen; dazu dient vor allem das Rahmenprogramm.
Im Zentrum der Ausstellung stehen Hördokumente. Sie wurden aus 300 Interviews ausgewählt, die im Rahmen zweier Forschungsprojekte über die Fremdplatzierung und das Verdingwesen in der Romandie und in der Deutschschweiz geführt wurden. Betroffene berichten über ihr Leben, ihre Erinnerungen und den Umgang mit ihren Erfahrungen.
Die Wanderausstellung wird von 2009 bis voraussichtlich 2013 an über einem Dutzend Standorten in der Schweiz zu Gast sein. Rahmenveranstaltungen beleuchten regionale Ausprägungen von Fremdplatzierungen damals und stellen die aktuelle Situation und die künftige Entwicklung zur Diskussion.
[…]
Es gab auch Verdingkinder, die es gut hatten. Ihre Stimmen fehlen hier. Denn die Ausstellung möchte die Aufmerksamkeit auf die Missstände und ihre Ursachen lenken, in der Hoffnung, dass diese in Zukunft vermieden werden können. Ebenfalls ungehört bleiben die vielen Betroffenen, die nicht über ihre Kindheit reden wollen oder können.»

(Quelle: www.verdingkinderreden.ch, Begleitunterlagen für Lehrpersonen)


Die Ausstellung ist insbesondere auch für Schulklassen konzipiert. Es werden ein Workshop für die Mittelstufe und zwei Workshops für die Oberstufe angeboten. Dazu stehen Unterlagen für die Vor- und Nachbereitung im Unterricht zur Verfügung.

Zum Download im Bereich für den Unterricht:




Zahnkontrolle bei einem Verdingmädchen durch den Armeninspektor, Kanton Bern, 1940.
Paul Senn (1901-1953).

Bildnachweis:
Bernische Stiftung für Fotografie, Film und Video, Kunstmuseum Bern, Depositum Gottfried Keller-Stiftung. © Gottfried Keller-Stiftung, Winterthur.
(Quelle: www.verdingkinderreden.ch)

Knabe in der Erziehungsanstalt Sonnenberg, Kriens, 1944,
aus Paul Senn und Peter Surava: Reportagen für «Die Nation», 1944
(Quelle: www.verdingkinderreden.ch)

Für Mittelstufenklassen wird eine begleitete Erarbeitung der Ausstellung empfohlen. Der Ausstellungsbesuch mit Schulklassen ist kostenlos. Damit die Koordination der Gruppen reibungslos verläuft, ist eine Anmeldung aber notwendig.


«VERDINGKINDER REDEN» – in Zürich

8. November 2011 bis 1. April 2012
Im Schulhaus Kern, Kernstrasse 45, zwischen Helvetiaplatz und Bäckeranlage

Öffnungszeiten:
Di-So 11-18 Uhr

Für angemeldete Schulklassen:
Mo 8.30-18.30 Uhr
Di-Fr 8.30-12.00 Uhr

Genauere Informationen sind auf der Website zur Ausstellung zu finden:
http://www.verdingkinderreden.ch/


Ergänzende Beiträge aus den Medien:


Verbindung zu Spuren-Horizonte

Im Kapitel «Die Zeit bleibt nicht stehen» wird das Thema «Arbeiten in der Schweiz» behandelt. Ein Teilbereich davon ist die Kinderarbeit. Zum Thema werden Ausschnitte aus den Jugendbüchern «Die schwarzen Brüder» und «Die Schwabenkinder» und ein Lesebuchbeitrag über ein Fabrikkind aus dem Zürcher Oberland vorgestellt. Diese Textausschnitte stehen auch auf der Audio-CD zur Verfügung.
  • «Kinderarbeit», KM 81.3
  • Audio-CD 1, Tracks 15-17




UBR


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Letzte Änderung: 07.11.2011